Tag 20 – Khwai Gamedrives

Nachdem wir gestern mit der Cessna in unser neues Revier geflogen waren, war heute ein ganz “normaler” Tag im Delta, wenn man überhaupt von normalen Tagen reden kann, denn jeder bietet neue Überraschungen. An einem solchen ganz normalen Tag ist die Weckzeit um 06:00, sodass man um 06:30 Frühstücken kann und kurz nach Sonnenaufgang um 07:00 die Abfahrt zum morgendlichen Gamedrive ist. Die Nächte sind glücklicherweise nicht allzu kalt, sodass die mitgebrachte Bettflasche im Bag bleiben kann … und um es gleich klarzustellen: Ich habe keine dabei Winking smile Wenn es in der Nacht nicht kalt war heisst noch lange nicht, dass es um 07:00 zur Abfahrt warm ist.  Glücklich der, der eine Kappe und eine leichte Daunenjacke mitgebracht hat. Die anderen sitzen leicht verspannt auf ihrem Sitz, können aber natürlich aus Stolz nicht zugeben, dass der Fahrtwind sich doch ganz schön kühl anfühlt.

In Khwai ist unser Camp direkt an einem Gewässer. Rechts auf dem folgende Bild sieht man einen Hypo-Pfad. Gesehen haben wir sie hier aber nicht.

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Wenn wir um 06:00 geweckt werden, brennt bereits das Feuer. Falls es nachts doch etwas kalt war, kann man sich so schnell aufwärmen.

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Ein kleiner “King of the Termitenhügel”, macht viel Lärm, hat aber das Herz in der Hose wenn man sich nähert und sucht das Weite.

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Das sieht hier schon ganz anders aus. Die Sonne wärmt so schön an diesem Platz, da gehe ich bestimmt nicht weg, egal was angerollt kommt.

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Eine andere Technik, sich nach einer langen Nacht wieder in Schwung zu bringen, ist Morgengymnastik. Es war lustig, den beiden zuzusehen. Sie turnten in allen möglichen und unmöglichen Kombinationen auf dem Baum herum. Eigentlich erwarteten wir, dass das Bündel jederzeit abstürzen könnte, aber irgendwie hatte immer eine Hand oder ein Schwanz etwas umschlugen.

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Ein “Open Bill” Storch lässt sich zwar auf dünne Äste heraus, behält aber jederzeit alles im Griff.

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Dieser “Ground Hornbill” meidet Bäume ganz. Er stolziert dafür auf dem Boden umher und lässt sich nur im äußersten Notfall zu einer Flugeinlage überreden.

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Unser Toyota ist sehr funktional eingerichtet. Neben einem Kühler und einer 230V Ladeeinrichtungen gibt es auch einen eingebauten Tisch. Hat man den geeignete Platz für einen Stopp gefunden, kann man den Tisch herunterklappen und schon ist das Buffet bereit.

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Wenig später stoßen wir auf eine seltsame Schleifspur, die noch sehr neu erscheint, da keine weiteren Spuren darüber liegen. Gee springt aus dem Fahrzeug und mach sich an die Interpretation. Es handelt sich wohl um eine Python, die ebenfalls diesen Weg gewählt hat. Leider biegt sie weniger später ins Dickicht ab und so bekommen wir nicht zu sehen.

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Elefanten hat es hier viele. Eigentlich sind es für die zur Verfügung stehende Fläche zu viele. Und dadurch leidet die Vegetation stark. Es gibt ganze Landstriche, in denen er nur noch Büsche gibt, da die Elefanten alles andere platt gemacht haben. Typisch sind auch tote Bäume, bei denen die Elefanten die Rinde gefressen haben und der Baum danach eingegangen ist. In Botswana sollen 330000 Elefanten leben. Früher oder später muss dagegen irgendetwas unternommen werden. Nur sind die Methoden dafür wenige spektakulär (z.B. Abschuss oder Geburtenkontrolle) und man fürchtet sich offenbar davor. Da Elefanten (ausser dem Mensch) keine natürlich Feinde haben können sie sich ungehindert vermehren, solange es Futter gibt.

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Gee hat Freude, uns zu zeigen, wie man mit seinem Fahrzeug durch einen Fluss fährt. Angeblich kann er damit bis etwa 1.2m tief fahren, sodass das Wasser fast oben reinläuft. So extrem war es bei dieser Durchquerung natürlich nicht, durch irgendwelche Öffnungen im Boden hat es aber dennoch reingespritzt .

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Gegen Abend fanden wir einen weitern Leoparden, dieses Mal war es ein stattliches Männchen. Zuerst lag er noch im Schatten eines Baumes, sodass die Fotografen eine “Feuerpause” einlegen konnten. Nach etwas Warten, war er dann aber schön beleuchtet.

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Es konnte auch eine Gebisskontrolle durchgeführt werden:

Zahnstellung? – 1A!

Löcher? – Negativ!

Zahnstein?  – Negativ!

Karies? – Negativ!

Mundgeruch? – Maybe … so nahe haben wir uns dann doch nicht heran gewagt …  Winking smile 

Und dass die Bartpflege vorbildlich durchgeführt wird, ist gleich auch noch ersichtlich.

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Wenig später stand der Leopard auf, um sich ums Abendessen zu kümmern. Eine halbherzig durchgeführte Pirsch Richtung irgendeinem Huhn endete mit lautem Gackern auf einem Baum. Dadurch waren alle Tiere im Umkreis alarmiert. (Ich nenne pauschal alles “Huhn”, von dem ich den genauen Namen nicht kenne, das aber im Verhalten einem sehr ähnlich ist)

Diese Impalas wollen bestimmt nicht auf dem Teller des Leopard enden und warnen sich gegenseitig mit lauten Warnrufen. Interessanterweise bewegen sie sich in dieser Stellung gleich noch etwas auf den Leopard zu, um ihm zu sagen: “Wir sehen dich, gibt dir keine Mühe, du hast sowieso keine Chance, einen von uns zu fangen”.

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“Gut, war also nichts mit einer leichten Mahlzeit”, muss sich der Leopard gedacht haben, “dann markieren wir eben einfach einmal mein Revier”. In Khwai darf man mit dem Fahrzeug im Gegensatz zu anderen Parks die Raubtiere auch Offroad verfolgen. Wir machten das auch einige Zeit. Doch aufgrund der einbrechenden Nacht, gaben wir das Unterfangen schliesslich auf. “Gin Tonic” stand als nächstes auf dem Programm.

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Wieder einmal ein ganz normaler Sonnenuntergang über dem Delta. Fotografisch ist die Stimmung schwer einzufangen, denn die Giraffen auf der einen Seite und die verstreuten Elefanten kommen nicht einfach so auf das Bild. Und auch die “Klingel”-Frösche, die ihre Stimme beim Einbruch der Dämmerung wieder erheben, lassen sich leider nicht festhalten. Tipp: Selber ausprobieren und hierherkommen!

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Nachdem es dunkel geworden war, machten wir uns auf die Rückfahrt zum Camp. Dabei setzte unser Guide ein Lampe ein, um die Tiere zu finden. Bei diesem “Night Drive” galt die Aufmerksamkeit nur Tieren, die man am Tag nicht oder nur teilweise sieht. Etwas zu finden ist aber noch schwieriger als am Tag, auch für Gee. Unterwegs versuchten wir auch nochmals, den Leoparden zu finden. Wir waren aber nicht erfolgreich. Es waren auch keine weiteren Warnrufe zu hören, was darauf hindeutete, dass der Leopard mit der Jagt immer noch kein Glück gehabt hatte und wohl die Nacht hungrig verbringen musste. Auf der weiteren Fahrt fanden wir nicht wirklich viele Tiere: eine Eule, irgendetwas Kleines, das wie ein Känguru umherhopst, ein Hase und folgendes Hypo, das im Gegensatz zu Eule sich nicht sofort aus dem Staub macht und deshalb fotografiert werden konnte.

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Langsam aber sicher neigt sich unsere Reise dem Ende entgegen. Leider! Schluchz. Aber wieso traurig sein, wir hatten ja noch eine weitere Nacht in der freien Natur vor uns und natürlich ein leckeres Nachtessen.