Tag 7 – 1. Nov

Nachdem wir gestern mit dem Sieben-Farben-Berg und dem Wetter nicht so viel Glück gehabt haben, versuchten wir es heute früh nochmals vor der Abfahrt. Schon als wir vom Hotel losliefen war klar, dass es bestimmt besser werden würde. Es hatte nämlich kaum Wolken am Himmel. Der leichte Schleier auf der Sonnenseite störte nicht viel. Als wir unseren Aussichtsplatz erreichten, war die Sonne gerade soweit aufgegangen, dass der Berg schon beleuchtet, die Häuser davor aber noch im Schatten lagen. Perfektes Timing!

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Etwas später mit einem Teil des Dorfes. Das Farbenspiel ist schon gewaltig.

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Da wir heute ja noch ein gutes Stück weit fahren mussten, machten wir uns schon bald wieder auf den Rückweg zum Hotel. Dort war Pablo bereits dabei, auf dem Fahrzeug herumzuturnen und unsere Koffer zu verstauen.

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Die Strasse stieg langsam aber stetig. Vorbei kamen wir an zerklüfteten Tälern, die wohl vor langer Zeit durch starke Regenfälle entstanden sind.

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Schon fast auf dem Pass angelangt, ein Blick zurück auf die Serpentinen. Eine sehr karge Landschaft, aber sobald es irgendwo Wasser gibt, spriesst Grünes empor.

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Auf dem Pass angekommen, hiess es das Fahrzeug wechseln. Wo ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich, ob dies das erste Mal über 4000m Höhe war? Ich weiss es gar nicht, denn in der Zwischenzeit waren wir so oft darüber, dass man sich gar nicht mehr so genau erinnern kann. Auf jeden Fall haben wir hier auf Velos gewechselt. Sie waren erstaunlich gut gewartet. Die Absicht war, vom Pass bis zum darunterliegenden Salzsee mit den Zweirädern zu fahren oder besser gesagt, rollen zu lassen.

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Und los geht es. Wie man unschwer erkennen kann: Richtig steil wird es hier nie.

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Und so blieb genug Zeit, die Landschaft zu geniessen. Zum ersten Mal auf der Reise traten auch Licunas in Erscheinung. Licunas leben wild und sind relativ scheu. Ihre Wolle ist von höchster Qualität und in Europa praktisch unbezahlbar.  Ich habe hier schon mehrfach nach Produkten davon Ausschau gehalten, aber es scheint auch hier absolute Luxusware zu sein und ist auf dem Lande zu einem vernünftigen Preis  wohl nicht erhältlich. Das liegt wohl auch daran, dass man zum Scheren die Tiere einfangen muss und da hat die Landbevölkerung wohl wichtigere Ding zu erledigen.

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Und noch mehr Licunas. Insgesamt sieht man viele davon in der Landschaft, dass macht die Wollgewinnung aber auch nicht einfacher, da sie wirklich sehr scheu sind.

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Sie können auch gut klettern, wie dieses Bild zeigt.

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Eine etwas farbige Abwechslung in der sonst recht kargen Landschaft.

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Der Salzsee ist in Sicht. Diese Ansicht täuscht aber gewaltig! Das wären sicher noch 10 Kilometer bis dorthin gewesen. Deshalb luden wir die Fahrräder für dieses Stück wieder ein. Man ist hier ja nicht in einem Trainingscamp!

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Angekommen auf dem Salzsee. Zur Erkundung der weissen Fläche wurde wieder auf die Fahrräder zurückgegriffen.

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Der Chef! Im Hintergrund türmen sich dramatisch Wolken auf. Aber keine Angst, alles nur Show. Geregnet hat es deshalb nicht, zumindest nicht bei uns.

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Man sollte sich einen Salzsee nicht als trocken vorstellen, schliesslich enthält er ja auch das Wort “See”. An manchen Stellen gibt es kleinere Lagunen, die mit Wasser gefüllt sind. Aber auch der Rest des Sees war relativ feucht.

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Das wir zur Salzgewinnung genutzt. Man gräbt kleine Becken in den See. Das Wasser drückt von unten nach und füllt diese. Mit steigendem Salzgehalt kristallisiert es sich und kann abgeschöpft werden. So kann das Salz von den Verunreinigungen getrennt werden.

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Picknick auf dem Salzsee.

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Wir mussten heute aber noch weiter zu unserer nächsten Unterkunft. Der erste Versucht, dorthin zu gelangen, schlug aber fehl, da die Strasse offensichtlich nicht mehr gewartet war und deshalb von einer tiefen Sandschicht überzogen war. Durchfahren wäre vielleicht möglich gewesen, aber wenn man stecken bleibt, kann man hier nicht einfach den Pannendienst rufen sondern muss sich selbst helfen. Deshalb entschieden wir uns für einen anderen Weg.

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Kurz darauf spielte die Zentralverriegelung von unserem Auto verrückt. Nachdem unser Fahrer an den Sicherungen rumgefummelt hatte, eine hatte sich offensichtliche durch Vibrieren etwas gelöst, ging es wieder weiter.

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Wir wollten noch alte Fels-Malereien/Gravuren besichtigen.

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Sie sind 800-1200 Jahre alt und zeigen Dinge, die in dieser Zeit für die Menschen wichtig waren.

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Details von einer Suri-Gravur (Mini-Strauss, der hier vorkommt, Schreibweise dem Zufall überlassen).

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Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir unsere Unterkunft in  “San Francisco del Alfarcito”. Das Dorf liegt irgendwo im Niemandsland. Einwohnerzahl geschätzt auf 50. Die Unterkunft wurde von Frankreich als Entwicklungshilfe gespendet und bringt nun dem Dorf mit Reisenden wie wir eine zusätzliche Einnahmequelle. Weitere Infos dazu in  Wikipedia.

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Ich nutzte noch die Gelegenheit des letzten Tageslichtes, das Gebiet zu erkunden.

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Aus allen Richtungen strömten Lamas in Richtung Dorf. Es gibt keine Zäune oder Hirten, aber offenbar kommen sie bei Sonnenuntergang zurück zum Dorf. Die Lamas sind sehr zahm und stören sich an niemandem.  Nur mit wildem Fuchteln und Zurufen konnte ich dieses Exemplar auf mich aufmerksam machen.

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Lama mit anderer Färbung aber gleichem Interesse an dem Fotografen, nämlich gleich null.

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Erstmals habe ich die Astro-Nachführ-Vorrichtung ausprobiert. Sie funktioniert perfekt, wenn da nicht dieser ver… Wind wäre. Immer wenn die Sonne untergeht kommt ein orkanartiger Wind auf. Die Temperatur ist da noch das kleinere Problem. Man muss immer Angst haben, dass das Stativ umgewindet wird.

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Nachtessen gab es bei einer Familie. Das Essen war einfach aber vorzüglich. Zuerst Suppe mit etwas drin und nicht eine durchsichtige Bouillon, dann gebratene Forelle und Reis. Auch konnten wir kurz an einer Art Erntedankfest beiwohnen. Es sind hier zwar alles Katholiken, in den ländlichen Gebieten vermischt sich das aber mit einer Art Naturreligion. Nur schon die Tatsache, dass nicht jedes kleine Dorf einen Priester haben kann und man auch nicht schnell ins Nachbardorf, das 100km entfernt liegt, zum Gottesdienst fahren kann, unterstreicht diese Tatsache. Eine kleine Kirche hat es aber überall.